2015-02-23

WEEKLY LAGRANDE

Der Wochenüberblick mit einem Tag Verspätung – ich habe nämlich das Wochenende mit dem Mann in Hamburg verbracht und mir dort die super gute Band The Dø angeschaut!
Was ist ansonsten in der letzten Woche passiert? Hannover ist bald im Quizfieber und ich habe euch angeraten, ein Team zusammen zu stellen und euch anzumelden. 

Am Dienstag sind die Nachtbarden wieder aufgetreten und ich trug eine Geschichte vor, die mir wenige Tage vorher in den Kopf flog, als ich tatsächlich auf einem Spielplatz saß, um Zeit zu vertrödeln. Beim zweiten Text handelte es sich dann um eines der wenigen Gedichte, die ich schreibe und das einen immer wieder daran erinnern soll, sich mal Zeit zu nehmen.

Außerdem hab ich aus aktuellem Anlass und Interesse nach Bildrechten im Netz gesucht und für euch die besten Links zusammengestellt.

Heute hab ich mal wieder vor einer Kamera herumgezappelt – nämlich für den NDR. Hintergrund: Am Mittwoch soll das von mir geliebte Ihme-Zentrum mal wieder versteigert werden. Wer sich das Ergebnis des Beitrags ansehen will, sollte Dienstag Abend, 19:30 Uhr, den Fernseher anschalten (gibt's später auch in der Mediathek).

Ansonsten: Die Oscars sind passiert. U.a. hat Eddie Redmayne den Oscar als bester Hauptdarsteller für seine Performance in "Die Entdeckung der Unendlichkeit" bekommen. Das ist schön für ihn. Und warum ich das ok finde, und die allgemeine Forderung nach "nur Menschen mit Behinderungen sollen auch Menschen mit Behinderungen spielen" meiner Meinung nach überhaupt nicht das Problem an sich ist, dazu kommt bald noch ein eigener Artikel. Alle anderen Probleme der Oscars fasst dieses Video gut zusammen (und dieser Artikel bei maedchenmannschaft.net):




Und so sah ich diese Woche aus:


2015-02-20

WOCHENENDE.

Kurz aufwachen, den Tag registrieren.
Wissen, dass heute nichts zu tun ist.
Schön.

Die Sonne kämpft sich zwischen die Ritzen des Rollos.
Alles sieht aus wie ein riesiges Streifenhörnchen.
Draußen klingelt ein Fahrrad seinen Weg frei.
Neben mir vertrautes Atmen.

Irgendwann das Geräusch des Duschkopfes.
Kurz darauf eine Wohnungstür, die ins Schloss fällt.
Seit kurzem hat der Bäcker auch sonntags geöffnet.

Wage mich aus der wohligen Decke und tappe ins Bad.
Kaffeehausmusik.
Heute mal Vollprogramm. Sogar mit Haarkur.
Im Becken sammeln sich kleine, schwarze Achselstoppelhärchen.

Kaffee oder Tee.
Marmelade oder Käse.
Fernsehen oder Lesen.
Reden, vielleicht?

Ausruhen.
Und dann doch nochmal raus.
Weil’s Wetter so schön ist.

Überall laufen glückliche Menschen herum und zeigen das auch.
Ein Hund verliebt sich in einen Baum.
Vermutlich wird es nie wieder regnen.

Ein Eis macht den Magen kälter als er eh schon ist.
Ist nicht so warm wie’s aussieht.
Hier, ich hab noch Handschuhe.

Zurück nur die Beine hochlegen.
Vielleicht was bestellen?
Dann aber jetzt.

Im Fernsehen seichte Dialoge.
Ich hab das Buch jetzt durch.
Und?

Nächste Woche vielleicht mal dies und jenes tun.
Die Pflanze braucht auch mal wieder.
Aber nicht mehr heute.

Im Bett noch die Wärme vom Morgen.
Ach, das war nett.
Jetzt aber.

2015-02-19

NÜTZLICHE LINKS RUND UMS THEMA "BILDRECHTE"

Ab und an erzähle ich Schüler_innen, Student_innen oder anderen Menschen etwas über meinen Blog. Es gibt immer unterschiedliche Gründe, warum ich gefragt werde, das zu machen. Manchmal, weil Menschen wissen wollen, wie Poetry Slam und Bloggen zusammengeht. Manchmal, weil sie wissen wollen, ob man mit einem Blog Geld verdienen kann. Und manchmal, weil sie sich nur mal anschauen wollen, wie so ein Mensch, der 24 Stunden am Tag in diesem Internet ist, eigentlich aussieht. Egal, welche Motivation hinter dem Vortrag steckt, eine Sache betone ich in jedem Vortrag: Checkt die Rechte an den Bildern, die ihr nutzt.

Dummheit schützt auch hier leider vor Strafe nicht. Das musste ich ebenso lernen. Bei mir steckte einfach Schusseligkeit und "schnell-schnell" dahinter und ich vergaß die Quellenangabe bei einem Foto, auf dem ich zwar abgebildet bin, was aber natürlich nicht die Rechte des Fotografen untergräbt. Der Fotograf hat sich bei mir gemeldet, ich habe mich entschuldigt, alles ergänzt und bin sehr dankbar, dass er sich erstmal bei mir gemeldet hat und nicht eine Rechnung für die Nutzung losgeschickt oder eine_n Anwält_in damit beauftragt hat.

Aktuellstes Beispiel ist der Fall zwischen Moderator Jan Böhmermann und Fotograf Martin Lange. Hier die Geschichte aus der Sicht von Böhmermann und auf der anderen Seite die Zusammenfassung von Martin Langer. Felix Schwenzel hat das Ganze nochmal schön zusammengefasst.

Und da ich sowohl beim Surfen als auch in den Vorträgen die Erfahrung gemacht habe, dass viele zu Recht immer noch unsicher sind, wie sie mit welchen Bildern umgehen dürfen, hier mal zwei super gute Links zum Thema – einmal zum Spezialthema Bilder und einmal zum Urheberrecht allgemein: 
Manchmal höre ich dann das Argument: "Ja, aber wenn der_die das ins Netz gestellt hat, dann haben die doch bestimmt nichts dagegen, wenn ich das weiterverbreite?!" Well, nein – so einfach ist das leider nicht. Beispiel: Ich möchte ja auch nicht, dass sich jemand eine meiner Geschichten ausdruckt oder aus meinem Buch herausnimmt, damit auf einen Slam fährt und diese vorliest. Vor allem nicht, wenn der- oder diejenige nicht einmal dazu sagt, dass der Text von mir ist. Denn: Das ist mein geistiges Eigentum und genau so verhält es sich bei Fotos natürlich auch.

Von Thomas Schwenke gibt es übrigens auch ein gutes FAQ zum Thema "Abmahnungen und Bildrechte". Entstanden schon Anfang 2013, als durch eine bestimmte Kanzlei mehrere große Blogs abgemahnt wurde. Die Krux damals: Die Kanzlei behauptete einfach, die Nutzungsrechte an den entsprechenden Bildern zu haben, dabei wusste nicht einmal der Fotograf davon. Wichtig: Nutzungsrechte sind etwas anderes als Urheberrechte. Ein_e Fotograf_in hat immer das Urheberrecht, kann das Nutzungsrecht an den Bildern aber an jemand anders abtreten. Alle Player versuchen also etwas vom Kuchen abzubekommen und wer noch nie abgemahnt wurde, lässt sich durch ein professionell klingendes Schreiben natürlich schnell verunsichern. Daher gilt: Am besten ruhig bleiben und erstmal Rat beim Anwalt suchen!

Viele gute Fotos unter der sogenannten Creative-Commons-Lizenz gibt es übrigens u.a. bei flickr. Hier finde ich Fotos, die ich unter bestimmten Bedingungen und Umständen auch auf eigenen Seiten verwenden darf (trotzdem muss ich auch hier immer angeben, woher das Foto stammt). Wer sich für die verschiedenen Lizenzformen interessiert, der_dem sei die Broschüre "Freies Wissen dank Creative-Commons-Lizenzen" von Paul Klimpel ans Herz gelegt, kostenlos downloadbar auf irights.info.

2015-02-18

SPIELPLATZ – EINE FIKTIVE GESCHICHTE

Wenn dem Mann und mir besonders langweilig ist, begeben wir uns an öffentliche Plätze und kommentieren das Geschehen. Meistens handelt es sich bei den öffentlichen Plätzen um Orte, an denen der Mann und ich eigentlich nichts zu suchen haben. Sei es, weil wir aus peer-goup-technischen Gründen dort nicht hingehören oder, weil wir nicht die richtigen Accessoires dabei haben. Spielplätze zum Beispiel. Für Spielplätze benötigt man in der Regel ein Kind. Oder mehrere. Warum sollte man sich auch ansonsten als erwachsener Mensch auf einem Spielplatz aufhalten? Darf man ja auch eigentlich gar nicht. Spielplätze sind nur für bis 12-jährige.
 

Wir haben kein Kind. Irgendwann mussten wir aber mal ein bisschen Zeit vertrödeln und haben uns einfach auf eine Bank eines benachbarten Spielplatzes gesetzt. Nach intensiver Beobachtung haben wir festgestellt, dass es nicht besonders schwer war, ein Elternteil auf einem Spielplatz zu sein. Beim nächsten Mal nahm der Mann eine Zeitung mit und ich drapierte ein paar Kekse und Tupperdosen mit kleingeschnittenen Mohrrüben um uns herum. Dann schaute ich liebevoll wahllos irgendwelche Kinder an. Der Mann senkte alle 5 Minuten seine Zeitung und rief in Richtung Rutsche: „Gisela! Bitte, das muss doch nicht sein.“ Oder: „Heiko! Lass das!“ Gisela und Heiko waren die Namen unserer imaginären Kinder. Niemand interessierte sich für die Zwischenrufe vom Mann. Wieso auch? Die Meisten waren damit beschäftigt, selbst schlimme Kindernamen und irgendein angehängtes Verbot durch die Gegend zu brüllen.
 

Manchmal drehte der Mann sich zu mir und sprach: „Wenn du auch ein bisschen spielen möchtest, mach ruhig. Ich kann hier auch alleine sitzen.“ Dann verscheuchte ich kurz eine hilflose Lotta von der Schaukel und ließ mir von ihrem Vater einen Raketenstart geben.
Die meiste Zeit allerdings saß ich herum und beobachtete. Kinder sind tatsächlich sehr dumm. Das liegt daran, dass sie noch so jung sind. Sie denken, geformte Klumpen aus Sand seien Kuchen. Das wird ihnen natürlich durch ihre dusseligen Eltern auch noch bestätigt. An diesem Tag führten sie den Sand zum Mund und machten Geräusche des Gefallens: „Mmmh, lecker!“ Danach steckte ein Kind sich den Sand komplett in den Mund und bekam ein „Ach, Sören, das isst man doch nicht wirklich, spuck aus!“ zu hören. Und wirklich, wie sollte Sören das jemals lernen?
 

In kurzen Abständen fing immer irgendwo ein Kind an zu jammern. Dann senkte der Mann wieder seine Zeitung und sprach: „Der wieder. Das ist wirklich ein Jammerlappen.“ Ich antwortete: „Das ist ein Kind.“ „Ja, und ein Jammerlappen.“ Es war einer dieser wirklich langgezogenen Jammerer – mehr ein Schrei nach Aufmerksamkeit als wirkliche Sorgen und Beschwerden. Ich lächelte in mich hinein bei der Vorstellung, dass das Kind das im späteren Berufsleben immer noch so machen würde.

Nach mehr als drei Stunden setzte sich eine von diesen übermotivierten Müttern neben uns. Ich hatte sie dabei beobachtet, wie sie sich auf der gegenüberliegenden Seite mit zwei weiteren Eltern offensichtlich über uns unterhielt und anscheinend hatte sie das kürzeste Streichholz gezogen. Also stand sie auf, klopfte sich die Kekskrümel vom Steppmantel und lief auf ihren New-Balance-Schuhen ganz leicht zu uns herüber. „Hallo“, sagte sie und lächelte uns aufmunternd an. Beziehungsweise mich. Der Mann saß ja immer noch hinter seiner Zeitung. „Hallo“, antwortete ich. Und, um gleich zu zeigen, dass ich wusste, wie hier der Hase lief, schloss ich ein „und, welches ist ihres?“ an. „Oh!“ Sie kicherte. „Der kleine Rabauke da hinten.“ Sie zeigte auf irgendein Kind im Sandkasten. Es sah aus wie all die anderen Jungs. Nicht von den übrigen, der Einfachheit halber blau gekleideten, kleinen Menschen zu unterscheiden. „Oh, der ist aber besonders süß!“ antwortete ich. „Danke!“ Sie schien sich ehrlich zu freuen. „Ähm, und“, fing sie an, „sind Sie auch mit Ihren Kindern hier?“ Ich lachte laut: „Wir? Nein, um Gottes Willen. Wir haben gar keine Kinder!“
 

Für einen kurzen Moment schien es, als hätten alle Kinder aufgehört zu spielen, alle Eltern ihre langweilige Übergangsbeschäftigung eingestellt und gemeinsam würden sie uns anstarren. „Sie haben keine Kinder?“, fragte die New-Balance-Mutter. „Nein, nein. Ich verabscheue Kinder. Ich möchte selbst niemals welche haben.“ Sie stutzte. „Aber, ähm, was machen Sie denn dann hier?“ Ich lächelte sie an: „Wir leisten einen guten Dienst. Wir beteiligen uns an der kollektiven Erziehung unserer zukünftigen Gesellschaft.“
 

„Wollen Sie mich verarschen?“ Die Mutter hatte offensichtlich in den letzten drei Sekunden ihren guten Willen abgelegt. „Nein“, antwortete ich höflich. „Indem wir ab und an erzieherische Maßnahmen in das Geschehen rufen, tragen wir doch zu der guten Entwicklung der anwesenden Kinder bei. Wir üben sozusagen ein Ehrenamt aus. Im Prinzip sollten Sie sich sogar bei uns bedanken, dass Sie nicht alles alleine machen müssen.“ Die Mutter starrte mich mit weit aufgerissenen Augen an. Dann stand sie auf, nuschelte ein „Schönen Tag noch“ und lief, diesmal sehr viel schneller, zurück zur gegenüberliegenden Front. Kaum hatte sie sich gesetzt, brach die Gruppe explosionsartig in sehr lautes Getuschel aus und immer wieder blickte einer von ihnen verwirrt zu uns herüber.
 

„Ich habe den Eindruck, dass unsere Anwesenheit hier nicht besonders geschätzt wird“, sagte ich zum Mann. Dieser ließ zum letzten Mal seine Zeitung sinken. „Gisela, Heiko, kommt her – wir wollen gehen!“ rief er in die Kindermenge. Dann faltete er die Zeitung zusammen, schaute mich an und sprach: „Ich denke, morgen werde ich mal wieder Straßenbahn fahren.“ „Das ist schön, mein Schatz“, sagte ich. Dann packte ich die Tupperdosen und Kekse wieder ein und bildete mir ein, den Aufatmer von gegenüber fast hören zu können, als wir aufstanden und gingen. 

[Anmerkung der Autorin: In Wirklichkeit mag ich Kinder. Sie haben so flauschige Haare.]